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Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit.

Die Ecke des höheren Blödsinns

Interessantes las ich kürzlich in der Zeitung: eine Studie belegt nun wissenschaftlich, dass Menschen, die näher an einer Gaststätte wohnen als andere, eher zum Alkoholismus neigen. Ebenso sind Bewohner tiefer gelegener Etagen häufiger Alkoholiker, als solche, die in den oberen Geschossen leben.

Die Marginalie ist die Hauszeitschrift aller Stämpfli-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie erscheint viermal im Jahr.

Interessantes las ich kürzlich in der Zeitung: eine Studie belegt nun wissenschaftlich, dass Menschen, die näher an einer Gaststätte wohnen als andere, eher zum Alkoholismus neigen. Ebenso sind Bewohner tiefer gelegener Etagen häufiger Alkoholiker, als solche, die in den oberen Geschossen leben.

Als verantwortungsbewusster Bürger habe ich natürlich sofort nachgemessen, wie weit meine nächste Besäufnisanstalt von meiner Behausung weg ist - und eine Besäufnisanstalt muss es ja sein, um mich in den Alkohol zu treiben. Nun, es ist mehr als ein Kilometer und geht erst noch kräftig bergan. Was für ein Glück ich habe! Irritieren tut mich jedoch der Umstand, dass mein Schlafzimmer im zweiten Stock ist, die Küche jedoch im Parterre. Ich stehe also alkoholismusfern auf und trinke meinen Frühstückskaffee - nein, keinen Frühstücksschnaps - im gefährlichen Erdgeschoss.

Vollends aus dem inneren Gleichgewicht bin ich dann geraten, als ich in der gleichen mich weiterbildenden Zeitung las, dass man sich nun um Krümmung und Kaliber von Gurken Gedanken macht. Es sollen mehr Gurken mit grösserer Krümmung in den Verkauf kommen. Das geht nun gar nicht! Da müsste ich mir ja einen neuen Kühlschrank kaufen, der ein gebogenes Gemüsefach aufweist. Wohin dann aber mit den geraden Rüebli? Ein solches Problem in der Küche - im Erdgeschoss! - muss einen ja ins Trinken treiben!

Sind wir nicht eine glückliche Gesellschaft, wenn wir uns mit solch tiefschürfenden Problemen beschäftigen dürfen? Gibt es einen Überfluss an Forschungsgeldern, und in der Landwirtschaft gibt es keine dringenderen Probleme als die Gurken? Ich will hier anregen, einen Lehrstuhl an der Universität zu schaffen, der die folgenden Problemstellungen untersucht:

Wie erkläre ich unterernährten Menschen, dass nur normierte Gurken essbar sind? Welche Versicherung - mit Lohnprozenten finanziert - bezahlt dem Alkoholiker den Umzug in eine Wohnung fernab der Tranksame und im 21. Stock? Wer bildet Forscher und Verwaltungsspezialisten aus, die weitere sinnvolle Gebiete aus der Ecke des höheren Blödsinns finden?

Wilhelm Busch hat es auf einen einprägsamen Nenner gebracht:

Früher, da ich unerfahren und bescheidener als heute,
hatten meine höchste Achtung andere Leute.
Später traf ich auf der Weide ausser mir noch andere Kälber,

und nun schätze ich, sozusagen, erst mich selber.